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Zukunftsfähiger Schülerverkehr

In Sachen Schule und ÖPNV geht der Landkreis Offenbach auf neuen Wegen voran in der Region Frankfurt RheinMain.

Auf Initiative der Ersten Kreisbeigeordneten Claudia Jäger wurde gemeinsam mit der ivm eine Fachveranstaltung zu diesem Thema abgehalten, um auch andere Gesellschafter an den Ergebnissen des Projektes „Zukunftsfähiger Schülerverkehr“ teilhaben zu lassen. Die Konferenz fand am 16. Dezember 2010 in Dietzenbach statt. Die Vorträge können hier auf dieser Seite heruntergeladen werden.

Claudia Jäger, Erste Kreisbeigeordnete des Kreises Offenbach
Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger begrüßte die rund 50 Expertinnen und Experten aus Schulen, Öffentlichem Verkehr und Politik, die aus der gesamten Rhein-Main-Region nach Dietzenbach gekommen waren. Frau Jäger lobte die aktive Mitarbeit vieler Schulen und Kommunen in dem Projekt „Zukunftsfähiger Schülerverkehr“. Sie sei so fruchtbar, dass sie auf Dauer fortgesetzt werde. Durch das große persönliche Engagement der Studierenden der Hochschule Darmstadt sei es zudem gelungen, eine große Bandbreite von Vorschlägen zu erarbeiten, von denen einige einfach und verblüffend schnell zu realisieren waren. Die guten Erfahrungen mit dem Pilotprojekt im östlichen Kreisgebiet haben dazu geführt, dass auch im Westkreis ein ähnliches Projekt durchgeführt wird

Als Motivation, die Veranstaltung auszurichten, hob Frau Jäger die Erfolge des Kreis-Projektes „Zukunftsfähiger Schülerverkehr“ hervor: „Alle unsere Nachbarkreise stehen im Schülerverkehr vor ähnlichen Fragen. An dem Know-how, das wir in dem Projekt erworben haben, möchten wir auch andere teilhaben lassen.“

Thomas Busch, Rhein-Main-Verkehrsverbund GmbH
Thomas Busch, Bereichsleiter Planung beim Rhein-Main-Verkehrsverbund, griff den Aspekt des Erfahrungstransfers in seinem Grußwort auf und regte an, das Projekt des Kreises als Best practice-Beispiel in den neuen Regionalen Nahverkehrsplan aufzunehmen. An Hand verschiedener Zahlenangaben verdeutlichte Busch die Bedeutung des Schülerverkehrs für den ÖPNV. Rund 500.000 der 5,5 Millionen Einwohner im RMV-Gebiet sind Schüler. Der Anteil des Schülerverkehrs am gesamten Fahrgastaufkommen schwankt regional und zwischen den verschiedenen ÖPNV-Produkten recht stark: während im Schienenpersonennahverkehr nur rund 10% bis 15% der Fahrgäste Schülerinnen und Schüler sind, erreicht deren Anteil im ländlichen Busverkehr bis zu 90%. Ihr Anteil an den Fahrgeldeinnahmen liegt verbundweit bei 18%, womit sie wirtschaftlich einen bedeutenden Kundenkreis darstellen. Dem stehen aber auch erhebliche Aufwände speziell für die Schülerbeförderung gegenüber. Herr Busch schloss sein Grußwort mit drei zentralen Fragen für die Zukunft des Schülerverkehrs: Wie wird sich die Schülerverkehrsnachfrage im Zusammenhang mit der demografischen Entwicklung, aber auch mit der Veränderung der Schullandschaft entwickeln? Wie lässt sich der Aufwand bei der Schülerbeförderung auf ein vernünftiges Maß begrenzen? Und wie lassen sich die Schülerinnen und Schüler von heute als ÖPNV-Kunden von morgen halten und gewinnen?

Praxis der Fahrplanung im Schülerverkehr: der Kommunikationsleitfaden Schülerverkehr des Kreises Bergstraße Markus Heeren, Verkehrsverbund Rhein-Neckar GmbH
Von den Rahmenbedingungen und Problemen des Schülerverkehrs im Verkehrsverbund Rhein-Neckar und speziell im hessischen Kreis Bergstraße berichtete einführend Markus Heeren von der VRN GmbH. Der Schülerverkehr macht im Binnenverkehr des Kreises rund 70% des Fahrgastaufkommens aus. Infolge stark ausdifferenzierter Schulprofile und eines hohen politischen Stellenwerts der freien Schulwahl überschneiden sich die Einzugsbereiche der weiterführenden Schulen stark. Die Folge sind sehr disperse Schülerströme, die im ÖPNV nur mit hohem Aufwand zu bewältigen sind.

Im Jahr 2008 kam es nach einem Betreiberwechsel eines Linienbündels zu erheblichen Problemen im Schülerverkehr aufgrund nicht nachfragegerechter Kapazitäten und ortsunkundigen Fahrpersonals. In der Folge wurde parallel zur Mängelbeseitigung im operativen Geschäft ein Gutachten zur Optimierung und Überplanung des Schülerverkehrs an die TransportTechnologie-Consult Karlsruhe GmbH vergeben mit dem Ziel, die entstanden Probleme grundlegend zu lösen.


Projekt Optimierung des Schülerverkehrs – zum Kommunikationsleitfaden
Gerald Hamöller, TransportTechnologie-Consult Karlsruhe GmbH (TTK)

Projektleiter Gerald Hamöller von TTK schilderte die umfassenden Analysen, die als Grundlage für die Optimierungsplanung dienen sollten. In enger Kooperation mit Verkehrsunternehmen, Schulleitungen und Staatlichem Schulamt wurden die Schulanfangs- und –endzeiten sowie die jeweiligen Schülerströme differenziert analysiert und auch die Schulen selbst um die Benennung von Mängeln sowie um die Kommentierung und Beurteilung der Analyseergebnisse gebeten. Im Ergebnis zeigte sich, dass objektiv nur wenige Mängel und Defizite festzustellen sind. Infolge der Ausdifferenzierung der Schulen sowie von G8 sowie von Ganztagsangeboten variieren zwar vor allem zum Schulende die Schülerströme und die Schulendzeiten im Wochenverlauf sehr stark. Dennoch treten problematische Warte-oder Reisezeiten nur in wenigen Einzelfällen auf. Zugleich zeigte sich aber auch, dass es einen großen Bedarf an Abstimmung zwischen Schul- und ÖV-Organisation gibt. Aus dieser Erkenntnis heraus wurde statt einer verkehrsplanerischen Optimierung des Schülerverkehrs ein Kommunikationsleitfaden entwickelt, der alle wesentlichen Organisations- und Entscheidungsprozesse für Schulen, Schulträger, Verkehrsunternehmen und Eltern sowie Schüler transparent abbildet.

Andreas Maatz, Geschäftsführer der KreisVerkehrs-Gesellschaft Offenbach mbH
Andreas Maatz, Moderator der Veranstaltung, zog abschließend das Fazit, dass im Mittelpunkt die Kommunikation zwischen Schulen und ÖV-Verantwortlichen stehen muss, denn nur so werden alle Beteiligten für die Rahmenbedingungen und Zwänge der übrigen Akteure sensibilisiert. Ferner sei auch die Politik gefordert, die verlässliche Entscheidungen treffen und für die ausgleichende Kommunikation offensiv werben müsse. Dabei sei im Einzelfall auch der Mut zu unpopulären Entscheidungen und deren Durchsetzung gefordert.

Veranstalter und Kontakt
Kreis Offenbach
Regional-, Europabüro und Wirtschaftsförderung
Werner-Hilpert-Straße 1
63128 Dietzenbach
Email: regionalentwicklung@kreis-offenbach.de
www.kreis-offenbach.de

Integriertes Verkehrs- und Mobilitätsmanagement Region Frankfurt RheinMain (ivm) GmbH
Lyoner Str. 22
60528 Frankfurt am Main
Email: info@ivm-rheinmain.de
www.ivm-rheinmain.de

Kreis-Verkehrs-Gesellschaft Offenbach
Masayaplatz 1
63128 Dietzenbach
Email: internetexpress@kvg-offenbach.de
www.kvg-offenbach.de

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Schulisches Mobilitätsmanagement als regionale Aufgabe

Vortrag [Pdf 1.1 MB]
Als Vertreter des Mitveranstalters ivm GmbH schilderte Jens Vogel die regionale Dimension des Themas und erläuterte, wie die ivm Kreise und Städte in der Rhein-Main-Region vernetzt und sie bei einem zukunftsgerichteten Verkehrs- und Mobilitätsmanagement unterstützt. Einen stark nachgefragten Schwerpunkt bildet dabei das Thema Schule und Mobilität. Vogel betonte, dass wechselseitiges Lernen voneinander dabei ein wesentliches Ziel der ivm sei.

Das Thema Schulisches Mobilitätsmanagement steht seit 2008 auf der Agenda der ivm. In einer umfassenden Grundlagenstudie konnte dargestellt werden, dass für Mobilitätsmanagement in Schulen durch die Verankerung von Verkehrserziehung und Mobilitätsbildung in den Lehrplänen und dank erfahrener Akteure wie der Verkehrswacht und den Jugendverkehrsschulen bereits eine solide Basis besteht. Zugleich wurden aber auch Defizite deutlich: im Umfeld vieler Schulen bestehen Verkehrssicherheitsprobleme, Verkehrserziehung und Mobilitätsbildung konzentrieren sich im Unterricht auf einzelne Klassenstufen, Schulwegpläne sind veraltet und die Koordination von Schulen und ÖPNV ist vielerorts verbesserungsbedürftig.

In einer Reihe von Pilotprojekten unterstützt die ivm seitdem vielfältige Ansätze zu Schulischem Mobilitätsmanagement, die als Muster und Vorbilder auch für andere Akteure und Teilregionen dienen können. Auch das Projekt „zukunftsfähiger Schülerverkehr“ im Kreis Offenbach wurde mit finanzieller und fachlicher Unterstützung der ivm ins Leben gerufen.

Dieser Artikel wurde veröffentlicht auf ivm GmbH - https://www.ivm-rheinmain.de

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